2x Fichte, Museum Tinguely 2018



© Emmanuelle Bayart Photography, Performancepreis Schweiz 2018

Preisträger*in 2018
Am Samstag, 13. Oktober 2018 wurde in der Kaserne Basel der diesjährige Performancepreis verliehen. Ausgezeichnet wurden Judith Huber (Performance: «2x Fichte») sowie PRICE (Mathias Ringgenberg) mit der Performance «Where Do You Wanna Go Today».
Auch der Publikumspreis ging an Judith Huber.

Jurybericht
Judith Huber, «2x Fichte»
Judith Huber (*1964) studierte an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern Freie Kunst sowie Contemporary Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern. Ins Zentrum ihrer künstlerischen Praxis setzt sie ihren eigenen Körper. Sie untersucht in ihrer Arbeit das Verhältnis zwischen Raum, Bewegung und Körperlichkeit. Ihr Schaffen dreht sich um die verschiedenen Formen physischer Präsenz, gepaart mit dem gezielten Einsatz von Materialien. Dabei erzeugt sie situative räumliche Verortungen und etabliert eine dialogische Beziehung zwischen Publikum und Umgebung. Judith Hubers Performance «2x Fichte» beginnt mit der Künstlerin alleine in jenem Teil des Raumes, der sich vor dem Publikum erstreckt. Zunächst balanciert sie in grosser Konzentration eine überdimensional lange Fichtenlatte auf ihrer rechten Schulter, was sie anschliessend mit einer zweiten Latte auf der linken Schulter noch steigert. Was als formale Performance beginnt, nimmt eine überraschende Wende. Denn nachdem Judith Huber die Balken mit grosser Ruhe und Konzentration bereits einige Male fast tänzerisch über den sitzenden Zuschauern der ersten Reihen schwingen und schweben liess, bahnt sie sich langsam einen Weg durch das Publikum hindurch. Der Balanceakt der Künstlerin öffnet sich zu einem stillschweigenden Dialog mit dem Publikum. Das vermeintliche Spiel mit der Gefahr, das Konstrukt könne zu Fall gebracht und die Balken jemandem auf den Kopf fallen, wird immer mehr zu einer Vertrauensverhandlung zwischen Aussen und Innen, den Zuschauern und dem unsicher-sicheren Individuum. Wie Judith Huber mit Beharrlichkeit Raum einnimmt, ohne ihn direkt einzufordern auf nicht konfrontative, doch selbstbewusste Art und Weise, ist höchst berührend und kann als Ausdruck einer feministischen Haltung gelesen werden. Bevor sie den institutionellen Raum verlässt, tritt sie in Dialog mit Tinguelys «Utopia», indem sie die Bewegungen seiner mechanischen Arbeit wie ein Echo aufnimmt und weiterträgt. Schliesslich bewegt sie sich langsam in den Aussenraum und entschwindet um den Brunnen herum hinaus in die urbane Landschaft, wodurch sich die hohe Spannung, die das Publikum 30 Minuten gebannt hielt, langsam auflöst. Die Jury beeindruckt, wie Judith Huber mit einer klassischen Haltung verschiedene gegenwärtige Themen, wie beispielsweise Ökologie oder Geschlechterverhältnisse, in ihrer Arbeit mitschwingen lässt, wie meisterhaft sie die Energie zu ihrem Publikum handhabt, wie viele Bildräume sie öffnet und wie kongruent die Arbeit als Ganzes ist.
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